Unsere Mitglieder (2)
22. April 2021

Wir möchten Euch*Ihnen ein weiteres Mitglied im Netzwerk Impulsion vorstellen. Helmut Obst leitet die Bibliothek und das Kulturforum in der Stiftung Pfennigparade. Wir haben uns mit ihm zum Gespräch getroffen.

Hallo Helmut, Danke, dass Du Dich zu diesem Interview bereit erklärt hast.
Kannst Du Dich den Mitgliedern von Impulsion kurz vorstellen?

Gern. Ich leite seit 2003 die Bibliothek und das Kulturforum in der Stiftung Pfennigparade.
Ich habe Bibliothekswesen in Stuttgart studiert und die Stelle damals als Elternzeitvertretung angefangen. Das war natürlich eine Herausforderung, gleich eine Leitungsstelle zu übernehmen. Nach insgesamt neun Jahren Vertretung bin ich seit 2012 schließlich fest angestellt. 2012 habe ich berufsbegleitend dann noch einen Master in Bibliothekswesen gemacht.

Was macht Dir an Deinem Beruf besonders Freude?

Die Vernetzung vor Ort und für die Menschen da zu sein, ihnen Kultur nahe zu bringen. Wir beraten die Besucher der Bibliothek und geben Empfehlungen für Bücher oder auch für eine Veranstaltung. Dafür muss man ein Gespür für die Interessen und die Bedürfnisse der Leute haben. Ich kümmere mich auch um die IT-Repräsentation der Bibliothek und des Kulturforums. Ab und zu halte ich bei Veranstaltungen auch einen Vortrag. 2006 bin ich zum Beispiel nach einem Artikel in einer Fachzeitschrift zum 10-jährigen Jubiläum der Bibliothek vom Goethe-Institut nach Thessaloniki eingeladen worden, um dort einen Vortrag zu halten. Das war natürlich ein Highlight.

Hast Du denn eine aktuelle oder persönliche Buchempfehlung?

Ja, habe ich. Zu Anfang der Pandemie hat die Stiftung Pfennigparade eine Aktion gemacht, die hieß Pfennigparade trotz(t) Corona. Mitarbeiter der Pfennigparade haben dabei in kurzen Videos den Bewohnern und Mitarbeitern der Pfennigparade ihre Empfehlung ausgesprochen. Ich habe Das böse Mädchen von Mario Vargas Llosa empfohlen. Das tue ich gerne wieder. Vargas Llosa ist ein Nobelpreisträger aus Peru. Das Buch ist unheimlich faszinierend geschrieben. Man ist ganz nah dabei, wenn der Erzähler der Geschichte sich in ein Mädchen verliebt, dem er im Verlauf des Romans immer wieder begegnet. Der Roman spielt in Lima in Peru, Paris, London, Tokio und Madrid. Das sind auch biografische Stationen des Autors.

Wie bist Du denn auf das Netzwerk Impulsion aufmerksam geworden?

Durch meine Chefin Konstanze Riedmüller. Sie ist auch Mitglied und hat den Verein erwähnt. Ich habe mir im Netz angeschaut, was der Verein macht. Außerdem kenne ich auch Max Dorner und Lucy Wilke, die vorher im Vorstand war. Das sind alles bekannte Gesichter. Ich habe auch immer wieder von den Salons erfahren, die Max veranstaltet hat und fand das interessant. Ich hatte nur leider keine Zeit daran teilzunehmen. Nach zwei Anläufen bin ich dann Mitglied geworden.

Was bedeutet Inklusion für dich? Wie verstehst du das?

In der Stiftung Pfennigparade habe ich ja viel mit Inklusion zu tun. Ich finde, in der Pfennigparade gelingt es, das Ziel der Natürlichkeit von Verschiedenheit im Leben umzusetzen. In der Bibliothek geschieht dieses natürliche Miteinander im Kleinen, in der Pfennigparade im Gesamt im größeren Rahmen. Ich finde im Übrigen, dass Förderschulen oder integrative Schulen wie zum Beispiel die Ernst-Barlach-Schulen sehr berechtigt sind. Inklusion ja, aber das sollte Angebote nicht ausschließen, die für Menschen mit Unterstützungsbedarf hilfreich und notwendig sind.

Was muss sich Deiner Meinung nach in Sachen Inklusion in München noch ändern?

Ich denke, es sollte nicht nur einzelne Kreise und einzelne Szenen geben, einzelne Menschen, die sich aktiv engagieren. Inklusion sollte kein Sonderbereich mehr sein und bleiben. Die Galerie Bezirk Oberbayern begreift das unter der Leitung von Dorothee Mammel zum Beispiel sehr vorbildlich und umfassend, wie ich finde. Auch die Münchner Stadtbibliothek hat in den letzten Jahren in ihren Filialen viel getan, um barrierefreier zu werden. Für die neue Filiale im Stadtteil Freiham, der inklusiv werden soll, bin ich von der Stadtbibliothek zur Beratung angefragt worden. Das hat mich natürlich schon gefreut, dass ich als Stellvertreter dieser kleinen Bibliothek diesem großen Schiff Rat geben konnte.

Vielen Dank für das Gespräch.